14.04.2019 | 20:15

Kripo-Quartett zwischen Not- und Mordfall

Zum „Tatort" aus Dortmund vom Sonntag, 14.04.2019: "Inferno"

So könnte es passiert sein! Die Kommissare Faber und Bönisch (Jörg Hartmann, Anna Schudt) spielen durch, wie die Internistin Dr. Gisela Mohnheim im Ruheraum eines Notfallkrankenhauses womöglich erstickt wurde. Mit einer Plastiktüte. (Foto: WDR)

So könnte es passiert sein! Die Kommissare Faber und Bönisch (Jörg Hartmann, Anna Schudt) spielen durch, wie die Internistin Dr. Gisela Mohnheim im Ruheraum eines Notfallkrankenhauses womöglich erstickt wurde. Mit einer Plastiktüte. (Foto: WDR)

Wird Zeit, dass die Dortmunder „Tatort“-Truppe mal zum Arzt kommt. Warum?

Faber (Jörg Hartmann) hat Alpträume von seiner toten Frau und seiner toten Tochter. Bönisch (Anna Schudt, gerade erst als "Beste Schauspielerin" mit der "Goldenen Kamera" geehrt) frisst ihr Single-Leben in sich hinein und stürzt sich in die Arbeit. Delay (Aylin Tezel) leidet seit dem Bombenanschlag in „Sturm“ (2017) an Panikattacken. Und Pawlak (Rick Okon) hat offenbar Zoff in der Familie und gibt sich daher extrem wortkarg.

Welche Therapie kann die vier Depris noch retten? Womöglich ein Mordfall im Klinikmilieu, um sich gleich mitverarzten zu lassen? Vielleicht in der Notaufnahme?

Gedacht, getan! Und so starten Markus Busch (Buch) und Richard Huber (Regie) mit einer toten Internistin, die halbnackt und mit einer Plastiktüte über dem Kopf in einem Ruheraum gefunden wird. Da ein Suizid entfällt, kann sich jeder Kommissar einen Weißkittel aussuchen, befragen und feststellen, dass das eigene Chaos im Team vom Tumult in einer Notaufnahme noch locker getoppt wird.

Ob Chefarzt (Alex Brendemühl), Assistenzärztin (Doris Schretzmayer) oder Krankenpflegerin (Lisa Jopt) – sie alle sind komplett überfordert. Unmöglich, hier einen Mord aufzuklären. Und fast logisch, dass die erfolglosen Ermittlungen vor allem Faber in den Crash führen. Wortwörtlich: Mit Bumm, Krach, Blut – und Aus! Und nun?

Mannomann, Busch und Huber zeichnen die Zustände in einer stinknormalen Notfallstation in so düsteren Farben, dass uns die Lust auf Kranksein oder Unfälle für immer vergehen kann. Hoffnung auf Hilfe? Vertrauen in das Personal? Das können wir uns im Gezerre einer Klinik zwischen Rendite und Fachkräftebedarf wohl endgültig abschminken.

Und da noch etwas Schwarzmalfarbe übrig war, bekommt auch die Stadt Dortmund noch was ab. Nur im Bild: verdreckte Straßen, hässliche Plattenburgen und zugetaggte Häuserwände. Was wohl OB Sierau dazu sagt? Der hatte sich schon im Januar, nach „Zorn“, beim WDR über den miesen Dortmund-Look beschwert. Mit einem Brandbrief! Folgt jetzt das Drehverbot?

Sonntag, 20.15 Uhr, ARD

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