07.04.2019 | 20:15

Wenn der Vater mit dem Sohne …

Zum „Polizeiruf: 110" aus Rostock vom Sonntag, 31.03.2019: "Kindeswohl"

Kommissar Sascha Bukow (Charly Hübner) knöpft sich den rabiatenn Kumpel seines Sohnes Samuel vor (Jack Owen Berglund, 2. v.l.), der ständig Zoff hat mit seiner Heimleiterin (Christina Große). Da weiß er noch nicht, dass Keno (Junis Marlon, re.) wenig später zum Mörder und Samuel sein unfreiwilliger Komplize wird. (Foto: NDR)

Kommissar Sascha Bukow (Charly Hübner) knöpft sich den rabiatenn Kumpel seines Sohnes Samuel vor (Jack Owen Berglund, 2. v.l.), der ständig Zoff hat mit seiner Heimleiterin (Christina Große). Da weiß er noch nicht, dass Keno (Junis Marlon, re.) wenig später zum Mörder und Samuel sein unfreiwilliger Komplize wird. (Foto: NDR)

Auch der Rostocker „Polizeiruf“ kommt scheinbar nicht mehr umhin, einen Mordfall ins Private seiner Helden zu ziehen. Als wenn „110“-Koloss Sascha Bukow (Charly Hübner) solch dramaturgische Tricks nötig hätte, um in Schwung zu kommen.

Aber Autor-Regisseur Lars Jessen wollte offenbar den leicht cholerischen Super-Bullen mal so richtig aus der Reserve zu locken. Und so treibt er Bukows Sohn Samuel (Jack Owen Berglund) in die Hände eines Jungen, der mit sich und der Welt absolut nicht klarkommt.

Kein Wunder, Kumpel Keno (komplett aggro: Junis Marlon) ist ein Heimkind, wurde bislang nur rumgeschubst und von Pflegefamilie zu Pflegefamilie geschoben. Und die Gewalt, die ihm oft angetan wurde, gibt er nur allzu gern weiter. Auch an Erwachsene, wie Heimleiterin Valli (Christina Große).

Dann passiert’s: Mitten im Wald, in Schnee und Eis, treffen die Jungs Kenos Betreuer Stig beim Joggen. Es kommt zum Streit. Plötzlich zieht Keno eine Knarre und drückt einfach ab. Dann flüchtet er mit Samuel.

Und Bukow senior rastet aus. Hat Keno Samuel als Geisel genommen? Ist sein Sohn verletzt? Und was, zum Teufel, treibt die beiden ausgerechnet nach Polen?

Die Hatz durch das winterliche Mecklenburg Richtung Osten entpuppt sich bald als traurige Parabel auf die Hilflosigkeit des Staates beim Umgang mit seinen „Sorgenkindern“. Jenen scheinbar verstockten Aussteigern, Verweigerern und jugendlichen Brutalos, die oft genug selbst Opfer von Gewalt in einer zerrütteten Kindheit waren. Ein Dilemma für die Helfer von Amts wegen. Für manche aber auch ein fettes Geschäft.

Regisseur Jessen gelingt es, die hochemotionale Problematik in eine gefühlsechte Story zu übersetzen und sein Ensemble auf Hochtouren zu bringen (u.a. Anneke Kim Sarnau, Uwe Preuss). Heraus kommt ein „Polizeiruf“, der uns ganz ohne Betroffenheitsgedusel betroffen macht. Und der zeigt, was im Schatten der Debatten um soziale Gerechtigkeit wirklich schief läuft in unserem Land. Ein schauerlicher Aha-Effekt!

Sonntag, 20.15 Uhr, ARD

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