10.03.2019 | 20:15

Missverständnis der Generationen

Zum „Tatort" aus dem Schwarzwald vom Sonntag, 10.03.2019: "Für immer und Dich"

ANders als Kollege Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner), glaubt Kommissarin Franziska Tobler (Eva Löbau) noch daran, die seit zwei Jahren vermisste Emily wiederzufinden. Ausgerechnet ein tödlich verunglückter Junge führt sie auf die SPur zu dem Mädchen. (Foto: SWR)

ANders als Kollege Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner), glaubt Kommissarin Franziska Tobler (Eva Löbau) noch daran, die seit zwei Jahren vermisste Emily wiederzufinden. Ausgerechnet ein tödlich verunglückter Junge führt sie auf die SPur zu dem Mädchen. (Foto: SWR)

Sommer, Sonne, Freiheit pur. Dazu ein Mann und ein Mädchen im Auto, „on the Road“. Kuscheln und Küsschen soweit der Schwarzwald reicht.

Nur, dass der Mann, Martin (Andreas Lust), mehr als 30 Jahre älter ist als das Mädchen. Emily (Meira Durand) ist 15 und vor zwei Jahren mit Martin aus Freiburg abgehauen. Raus aus der versifften Plattenbausiedlung, aus der Chaos-WG und weg von ihrer nervigen Mutter. Emily genießt die Freiheit in vollen Zügen.

Doch die bekommt einen Riss, als Martin gesteht, dass sie pleite sind. Deshalb fahren sie zurück nach Freiburg, wo er Geld besorgen will. Ein Risiko, denn auch nach zwei Jahren wird das Mädchen noch gesucht.

Dann eskalieren die Ereignisse, als Martin einen Jungen, der Emilys Laptop aus dem Auto geklaut hat, verfolgt und bei einem Unfall tötet. Auch seine Mutter (Ursula Werner), die er eigentlich anpumpen wollte, stellt sich quer. Ist das das Ende ihrer Träume?

Die Kommissare Friedemann Berg und Franziska Tobler (Hans-Jochen Wagner, Eva Löbau) haben alle Mühe, die Fäden dieses Falls aufzunehmen. Ein vermisstes Mädchen, ein toter Junge – erst nach und nach erkennen sie, dass beides zusammenhängt. Aber da ist es für das Glück des ungleichen Paares längst zu spät.

Magnus Vattrodt (Buch) und Julia von Heinz (Regie) entfalten ihr trauriges Roadmovie mit viel Fingerspitzengefühl. Schwer, als Zuschauer davon unberührt zu bleiben. Vor allem Lust und die hochtalentierte Meira Durand überzeugen als Ausbrecher, die sich zusammengefunden haben, um ihre Freiheit auszuleben, nicht eine Liebe. Ihre „Liebe“ ist ein Missverständnis der Generationen und muss tragisch enden. Oder?

So wächst der Schwarzwald-„Tatort“ mit seinen hintersinnigen Kommissaren weiter. Und weiter hinein in die konfliktreichen Sphären zwischen Verstand und Irrsinn, Kalkül und Leidenschaft, Macht und Ohnmacht seiner Helden.

Ganz wie bei Rio Reiser, dessen legendärer Song beim Filmtitel Pate stand. Und wie für Wagner und Löbau gemacht. Überaus sehenswert!

Sonntag, 20.15 Uhr, ARD

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