03.03.2019 | 20:15

Trautes Heim – Mord allein

Zum „Tatort" aus Kiel vom Sonntag, 03.03.2019: "Borowski und das Glück der Anderen"

Hauptkommissar Klaus Borowski und Neu-Kollegin Mila Sahin haben einige Überraschungen zu verkraften (Axel Milberg, Almila Bagriacik): Erst fliegen ihnen in einem Hotel unverhofft ein paar Kugeln um die Ohren, dann gibt es ein blutiges Gemetzel in einer Vorstadtsiedlung. Prima Gelegenheiten, sch zusammenzuraufen. (Foto: NDR)

Hauptkommissar Klaus Borowski und Neu-Kollegin Mila Sahin haben einige Überraschungen zu verkraften (Axel Milberg, Almila Bagriacik): Erst fliegen ihnen in einem Hotel unverhofft ein paar Kugeln um die Ohren, dann gibt es ein blutiges Gemetzel in einer Vorstadtsiedlung. Prima Gelegenheiten, sch zusammenzuraufen. (Foto: NDR)

Was für ein Intro: Während Pink Floyds sphärisches „Breathe“ in unsere Ohren träufelt, greift sich Supermarktkassiererin Peggy Stresemann (Katrin Wichmann) den Rasenmäher, stürmt in ihr Haus und häckselt so ziemlich alles klein, was die Maschine zu fassen kriegt. Federn, Splitter, Plastikteilchen schwirren durch das Wohnzimmer wie aus einem Schneepflug. Am Ende richtet sich ihr Hass auf die TV-Fernbedienung, die kurzerhand im Mixer landet.

Ihr Schredder-Anfall kommt nicht von ungefähr. Musste sie doch jüngst mit ansehen, wie ihre Nachbarn, die ohnehin stinkreichen Dells (Sarah Hostettler, Volkram Zschiesche), nun auch noch den Lotto-Jackpott geknackt und ausgelassen gefeiert haben. Da kann Peggy mit ihrem tapsigen Micha (Aljoscha Stadelmann) schon mal ausrasten.

Aber wo ist der Lotto-Schein? Peggy schleicht sich ins Haus der Dells. Doch was sie findet, ist nur eine Pistole. Und Thomas Dell, der plötzlich in der Tür steht und sie anblafft. Da drückt Blond-Peggy ab. Einmal, zweimal – siebenmal!

Selbst Hauptkommissar Klaus Borowski und Kollegin Mila Sahin sind angesichts des Blutbads geschockt (Axel Milberg, Almila Bagriacik). Aber kommen sie der findigen Peggy auf die Schliche? Denn zunächst sieht alles danach aus, als hätte sich Victoria Dell ihres Gatten entledigt.

Einfach köstlich, wie Regisseur Andreas Kleinert einmal mehr das Schicksal so genannter „kleiner Leute“ in eine große Fabel gießt. Erneut ist dabei eine bodenständige Geschichte (Buch: Sascha Arango) der Humus, auf dem seine Figuren in ihrer Not und Unbeholfenheit über sich hinaus-wachsen. Wenn das Dilemma nicht so schmerzlich wäre, könnten wir über sie lachen,

Doch Kleinert, der Meister des sublimen Dramas, gibt seine Helden nie der Lächerlichkeit preis, sondern sympathisiert mit ihnen, leidet mit ihnen und zelebriert ihr Scheitern als unausweichliche Konsequenz eines verkorksten, ja, verschenkten Lebens. Vor allem Wichmann und Stadelmann lassen ihre Figuren so in ihrer Naivität glänzen, dass Milberg und Bagriacik echt gefordert sind.

Aber das neue Team bleibt cool und souverän und erdet diese verrückte Story auf seine Weise. Man muss es sehen!

Sonntag, 20.15 Uhr, ARD

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