24.02.2019 | 20:15

Bayreuther Mord-Oper im Stundentakt

Zum „Tatort" aus Franken vom Sonntag, 24.02.2019: "Ein Tag wie jeder andere"

Dagmar Manzel rettet diesen "Tatort" in jeder Hinsicht. Ihre Kommissarin Paula Ringelhahn bringt nicht nur den Stundentakt-Mörder zur Strecke, sie rehabilitiert mit ihrem eindringlichen Spiel auch das sichtlich überforderte Kripo-Team. (Foto: BR)

Dagmar Manzel rettet diesen "Tatort" in jeder Hinsicht. Ihre Kommissarin Paula Ringelhahn bringt nicht nur den Stundentakt-Mörder zur Strecke, sie rehabilitiert mit ihrem eindringlichen Spiel auch das sichtlich überforderte Kripo-Team. (Foto: BR)

Warum sich Schauspiel-Grazie Dagmar Manzel (als Kommissarin Paula Ringelhahn) diese verschwurbelten Franken-„Tatorte“ weiter antut, bleibt wohl ihr Geheimnis. Mit viel Pomp und Vorschusslorbeeren ob der „Traumbesetzung“ 2015 gestartet, erweist sich das Quintett um Kommissariatsleiter Felix Voss (Fabian Hinrichs) auch in seinem fünften Fall erheblich überfordert.

Denn egal, was passiert – ob Familientragödie, Flüchtlingsdrama oder Mord, die Truppe reagiert wie ein bunter Hühnerhaufen. Aufgescheucht von einem meist wild gestikulierenden und stammelnden Hinrichs, dessen ungelenke Attitüden von manchem Verantwortlichen offenbar immer noch als „innovative Ausdrucksform“ fehlinterpretiert werden.

Natürlich ist Hinrichs ein begnadeter Schauspieler (2010 „Schauspieler des Jahres“ der Zeitschrift „Theater heute“). Aber wie es aussieht, doch eher auf der Bühne als im TV. Zumindest als „Tatort“-Kommissar scheint der René-Pollesch-Zögling eine herbe Fehlbesetzung. Erst recht, wenn das mörderische Treiben im Film nicht mit einer Leiche endet und Hektik aufkommt.

Wie im Falle des bislang unbescholtenen Anwalts Thomas Peters (Thorsten Merten), der mitten in einer Verhandlung plötzlich den Richter erschießt. Punkt 14 Uhr. Exakt eine Stunde später knallt Peters in der Uni Bayreuth eine Mitarbeiterin ab. So fragt sich nicht nur das alarmierte Kripo-Team: Wer ist um 16 Uhr dran? Und wo? Ist ein weiterer Mord zu verhindern?

Erol Yesilkaya (Buch) und Sebastian Marka (Regie) haben eigentlich einen blitzsauberen Krimi im Köcher – mit einer mysteriösen Story, mit komplexen Figuren und mit einer herrlichen Kulisse rund um das Bayreuther Festspielhaus auf dem Grünen Hügel.

Doch ihre Pfeile treffen unsere Zuschauerherzen nicht, da das läppische Gebaren der Ermittler den tragischen Ereignissen kaum angemessen ist. Einzig Manzels Paula Ringelhahn vermag mit Empathie und Selbstzweifeln zu berühren. Wie das überraschende Finale mit den Bösen dieser Welt (Stephan Grossmann, Jürgen Tarrach).

Ob das Franken-Team tatsächlich noch die Kurve kriegt?

Sonntag, 20.15 Uhr, ARD

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