19.08.2007 | 20:15

Zurück in die Krimi-Gruft|ARD

Im „Polizeiruf 110: Tod eines Fahnders“ frönen Schmücke und Schneider wieder alten Sünden

Ratlos in Halle an der Saale - die Kommissare Schmücke und Schneider (Jaecki Schwarz, Wolfgang Winkler) mit ihrem Kollegen Köhler (Christian Maria Goebel, m.). (Foto: MDR)

Ratlos in Halle an der Saale - die Kommissare Schmücke und Schneider (Jaecki Schwarz, Wolfgang Winkler) mit ihrem Kollegen Köhler (Christian Maria Goebel, m.). (Foto: MDR)

Das musste ja so kommen: Kaum zeigt sich ein Silberstreif am Hallenser Krimi-Himmel, kaum durften wir mit rollenden Augen die Wiederauferstehung unseres Kripoteams bewundern, schon ist die kleine TV-Hausse wieder vorbei. Und das heute Abend, beim dritten Auftritt von Jaecki Schwarz und Wolfgang Winkler als kauzige „Polizeiruf“-Kommissare Schmücke und Schneider in diesem Jahr.

Von wegen Krimi-Sommer beim MDR. Gerade mal zwei Schwalben hat er gedauert. Dabei schien die Langeweile von ehedem mit den jüngsten „110“-Folgen („Tod in der Bank“, „Verstoßen“) überwunden. Denn die Plapper-WG der Altherren-Cops wurde genauso konsequent aufgelöst, wie das sonore Tremolo der Dialoge. Schwarz und Winkler sprudelten förmlich über vor Esprit und Witz. Auch Katerina Jacob als neue Staatsanwältin Iris Meissner tat ihr Übriges, den Kripo-Opis wieder auf die Sprünge zu helfen. Das sah doch alles gut aus. Ja, es machte doch wirklich wieder Laune, dem gewitzten Duo bei der Arbeit zuzuschauen. Und nun das. Dieser Rückfall. Diese Mittelmäßigkeit. Es ist zum Heulen.

Das Traurige daran: Die Geschichte heute ist gar nicht mal so übel (Buch: Clemens Berger). Ein verdeckter Ermittler wird in seinem eigenen Haus mit seiner eigenen Dienstwaffe umgelegt. Ein Unding, wie sich das gesamte Präsidium einig ist. Denn kaum einer hatte einen Schimmer davon, dass Fahnder Häfner (Simon Böer) im Untergrund den flüchtigen Knacki Robert Sakowski (Pasquale Aleardi) jagte. Nur sein Vorgesetzter Köhler (Christian Maria Goebel) und seine Assistentin Pia Hesse (Katharina Wackernagel).

Dumm nur, dass Häfner ausgerechnet Sakowskis Frau Anja (Nadeshda Brennicke) anbaggern musste, um dem Gewaltverbrecher eine Falle stellen zu können. Noch dümmer, dass Assistentin Pia mit ihm liiert war und Häfners Fummelei mit der Gangsterbraut gar nicht so toll fand. Und richtig verrückt wird es für Schmücke und Schneider, als sie an Sakowskis Schwester Karin und deren Mann geraten (Sabine Vitua, Max Herbrechter), denn die beiden haben offenbar ihr eigenes Süppchen in diesem Fall zu kochen. Alles Verdächtige. Nur, wem brannten da am Ende die Sicherungen durch?

Dass Saxonia-Chef Hans-Werner Honert, der im Mai mit „Tod in der Bank“ den Relaunch des Hallenser „Polizeirufs“ als Regisseur noch höchst persönlich eingeläutet hatte, nun ausgerechnet Serien-Profi Wolfgang Münstermann für die Regie anheuerte, war keine so kluge Idee. Denn der Potsdamer hat sich zwar sicher seine Meriten (und damit sein „110“-Debüt) in Dutzenden Folgen von „alphateam“, „St. Angela“ oder „Der Landarzt“ verdient. Aber es ist genau diese Serien-Ästhetik, diese eingeseifte Form der Dauerunterhaltung mit ihrem geschwätzigen Tonfall und ihrer bemühten Leichtigkeit der Figuren, die heute Abend den ganzen Krimi-Spaß verderben.

Unbeholfen dümpelt die Story vor sich hin. Die Frage-Antwort-Spielchen machen wieder nur Gähnen. Und mehr als ein paar Gluckser im Brei der Einfallslosigkeit sind nicht zu vernehmen. Ja, Schwarz und Winkler sind auf dem besten Wege zurück in die Gruft. Dahin, wo es nach alten Sünden riecht und wo selbst kleine Miezekätzchen das große Jammern überkommt.

Man muss es sich nur anhören. In diesem „Polizeiruf“.

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