18.06.2017 | 20:15

Doppelter Abschied in Kiel

Zum „Tatort" aus Kiel vom Sonntag, 18.06..2017: „Borowski und das Fest des Nordens“

Letzter Auftritt für Sibell Kekilli an der Seite von Axel Milberg. Nach diesem "Tatort", in dem die beiden einen Amok-Läufer jagen, trennen sich die Wege der Kommissare Brandt und Borowski. (Foto: NDR)

Letzter Auftritt für Sibell Kekilli an der Seite von Axel Milberg. Nach diesem "Tatort", in dem die beiden einen Amok-Läufer jagen, trennen sich die Wege der Kommissare Brandt und Borowski. (Foto: NDR)

Da können wir Nordlichter uns nur freuen: Pünktlich zur gestern gestarteten „Kieler Woche“ liefert unser geliebter NDR endlich mal den dazugehörigen „Tatort“. Auch wenn das Bummsfallera zwischen Förde und Altstadt nur Kulisse für einen höchst introvertierten und irritierenden Mordfall ist.

Eigentlich genau das Richtige für unseren Kieler Brumm-Cop Klaus Borowski (Axel Milberg). Doch was er und Kollegin Brandt (Sibel Kekilli) heute erleben, stellt das fragile Team auf eine harte Probe. Ebenso, wie uns Zuschauer. Denn schon zu Beginn dieses „Tatorts“ wird klar: Mit dem Einmaleins der Logik kommen wir heut’ nicht weit.

Szene 1: Ein Mann (Mišel Maticevic) hat sich in die Wohnung seiner Ex geschlichen, weil er unbedingt seine Kinder sehen will. Natürlich kommt es zum Krach.

Szene 2: Der selbe Mann trifft in seiner halbleeren Neubaubude auf seine Geliebte. Sie will ihn, aber er will sie nicht. Erneut Geschrei, Vorwürfe, Krach. Dann macht der Mann die Frau tot. Endlich Ruhe!

Viel mehr muss nicht verraten werden, um das nun folgende seelische Inferno abzusehen. Und da der Mörder – ein Versager für seine Frauen (u.a. Franziska Hartmann), ein armes Würstchen für seine zwielichtigen Geschäftsfreunde (Ronald Kukulies) – nun offenbar nichts mehr zu verlieren hat, rechnen Borowski und Brandt zurecht mit einem Amoklauf.

Und tatsächlich geht das Morden weiter. Mitten in der Kieler Woche.

Markus Busch (Buch) und Jan Bonny (Regie) schlagen für diesen mysteriösen Fall ebenso mysteriöse Töne an. Schräge, synkopische, teils unverständliche. Eine irre 12-Ton-Musik in Bildern, ganz im Stile der Dogma-Filmer. Mit wackeliger Handkamera und einem arhythmischen Schnitt.

Statt Logik, nur Gefühl. Ein Krieg der Geschlechter, auch zwischen Borowski und Brandt. Das kann nur schief gehen. Und tut es auch.

Für den lange angekündigten Abschied von Sibel Kekilli ist dieser „Tatort“ nochmal eine finale Herausforderung. Für Milberg eine Gala. Und für uns Zuschauer birgt er jede Menge Denkstoff – für die Sommerpause. Ein doppelter Abschied!

So, 20.15 Uhr, ARD

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