11.06.2017 | 20:15

Mörderjagd 4.0 in Dresden

Zum „Tatort" aus Dresden vom Sonntag, 11.06..2017: „Level X“

Bei ihrer Suche nach Anhaltspunkten für den Mord an einem jungen Mann landen die Kommissarinnen Henni Sieland und Karin Gorniak (Alwara Höfels, Karin Hanczewski, l.) bei Dr. Frantzen (Ulrich Friedrich Brandhoff). Der hatte dem "Prankster" zuletzt harte Medikamente vertickt. (Foto: MDR)

Bei ihrer Suche nach Anhaltspunkten für den Mord an einem jungen Mann landen die Kommissarinnen Henni Sieland und Karin Gorniak (Alwara Höfels, Karin Hanczewski, l.) bei Dr. Frantzen (Ulrich Friedrich Brandhoff). Der hatte dem "Prankster" zuletzt harte Medikamente vertickt. (Foto: MDR)

Das sollte man sich selbst als „Prankster“ zwei Mal überlegen: Einen Streich (engl.: Prank) mit einer Rockerbande spielen. Doch der 17-jährige „Simson“ (Merlin Rose), ein Internetstar, der andere Leute heimlich filmt und live ins Internet stellt, kennt keine Skrupel.

Von den Brühlschen Terrassen in Dresden herunter, steuert er seinen Quadrocopter mit Kamera auf einen Ausflugsdampfer auf der Elbe, wo eine Rockergang abfeiert. Als er entdeckt wird, kann „Simson“ nur noch die Beine in die Hand nehmen. Zwei Minuten später ist er tot. Doch haben wirklich die Biker den jungen Mann erschossen?

Die Kommissare Henni Sieland, Karin Gorniak und Peter Schnabel (Alwara Höfels, Karin Hanczewski, Martin Brambach) müssen in einem Metier ermitteln, das sie viel zu wenig kennen. Pfiffige Teenager-Idole, die mit ihren Pranks im Internet haufenweise Geld verdienen, geldgierige Manager (Daniel Wagner) und skrupellose Konkurrenten (Wilson Ochsenknecht) erfordern eine ganz neue Art der Spurensuche.

Pietät, Scham, Geheimhaltung waren gestern. Heute landet alles sofort und live im Internet. Selbst die tödliche Hatz auf „Simson“ und die Ermittlungen der Polizei. Wie soll man so einen Mord aufklären?

Zum Glück ist die Geschichte von Richard Kropf (Buch) und Gregor Schnitzler (Regie) mehr als nur eine Illustration der Hyper-Cyber-Szene. Nämlich ein geschickt gestricktes und allemal berührendes Beziehungsdrama, das allerdings seine Wucht eben dadurch potenziert, weil es live und von den Augen zig Tausender verfolgt wird. Mörderjagd 4.0, quasi.

Für uns Zuschauer ist dieser „Tatort“ ein beklemmender Blick auf unsere mediale Zukunft. Ähm, Gegenwart! Für Höfels, Hanczewski und Brambach ist er eine hübsche Herausforderung. Müssen sie doch die Ahnungslosen geben.

Und das ausgerechnet in Dresden, das wegen seiner TV-Funklöcher zu DDR-Zeiten einst als „Tal der Ahnungslosen“ verspottet wurde. Aber ist heute nun alles besser?

So, 20.15 Uhr, ARD

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