05.06.2017 | 20:15

Leben und Sterben lassen

Zum „Tatort" aus Berlin vom Pfingstmontag, 05.06..2017: „Amour Fou“

Nina Rubin und Robert Karow (Meret Becker, Mark Waschke) gehen dem Mord an einem schwulen Lehrer nach. Das hat auch für ihre Beziehungen Folgen. (Foto: rbb)

Nina Rubin und Robert Karow (Meret Becker, Mark Waschke) gehen dem Mord an einem schwulen Lehrer nach. Das hat auch für ihre Beziehungen Folgen. (Foto: rbb)

Berlin redet sich ja gerne selber groß. „Weltstadt“, „Hotspot“, „Hipster-Home“ der Kreativen und Tagediebe. Fast wie New York. Schwule, Lesben, Transen, etwa, sind hier längst sozialer Humus und keine Exoten mehr, wie noch in der Provinz nebenan.

Das alles funktioniert, weil die Überlebensstrategie zwischen zugetaggten Fassaden und stinkenden Hinterhöfen lautet: Leben und leben lassen! Wirklich?

Der neue Fall unserer Hauptstadt-Kommissare Rubin und Karow (Meret Becker, Mark Waschke) verklickert was anderes. Bis zur Unkenntlichkeit verbrannt, findet sich in einer Kleingartensparte die Leiche von Enno Schopper. Der war Lehrer im Neuköllner Rollbergkiez. Und schwul.

Zuletzt soll er im Umkleideraum den Schüler Duran Bolic befummelt haben. Wohl als Gegenleistung dafür, dass er mit Ehemann Armin (Jens Harzer) den Jungen aus der Gosse gezogen, vom Suff weggebracht und ihm eine Perspektive geboten hat. Mit Studium im Ausland.

Doch nun ist Enno tot und Duran verschwunden. Angeblich zurück nach Kroatien. Mit seinem Vater, den er eigentlich hasst. „Immer noch besser, als bis zum Abi Lehrer-Schwänze zu lutschen“, ätzt Kumpel Stipe (Aaron Hilmer) und geht auf Witwer Armin los. Hatten er und sein kroatischer Clan mit dem schwulen Lehrer kurzen Prozess gemacht?

Christoph Darnstädt (Buch) und Vanessa Jopp (Regie) sind nicht zimperlich bei ihrer Berliner Nabelschau. Doch fast mehr noch als ihre klug gebaute und schnörkellos inszenierte Mordgeschichte, überzeugt ihr intimes Milieubild. So schön und so verrottet haben wir Berlin lange nicht gesehen.

Dies gilt auch für Becker und Waschke, die mit ihren zerrissenen Figuren immer besser zurechtkommen. Hier die notgeile Familienmutter, die sich nachts irgendwo entladen muss, da der wortgewandte Bonvivant, der alles flach legt, „was nicht schnell genug auf’m Baum ist“. Ob Frau oder Mann. Souveräne Kommissare sehen anders aus.

Oh ja, „Berrrlin – du bist so wunderrrbaaarrr!“ Selbst im „Tatort“.

Pfingstmontag, 20.15 Uhr, ARD

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