21.01.2006 | 20:15

Reset für Charlotte|ARD

Der „Tatort: Schwarzes Herz“ lässt Kommissarin Lindholm straucheln – und stellt sich fast selbst ein Bein

Diesmal steht Charlotte wirklich allein im Regen. (Foto: NDR)

Diesmal steht Charlotte wirklich allein im Regen. (Foto: NDR)

Ach, Charlotte. Just ihres Geliebten beraubt, ist für unsere Blondlocke das Leben nur noch Qual. Wer hätte das gedacht. Hauptkommissarin Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler), die bislang noch jedes Problem mit kühler Spitzfindigkeit zu meistern wusste, sie zeigt plötzlich Nerven. Denn der schnöde Abgang ihres smarten Staatssekretärs im letzten Hannover-„Tatort“ hat sich schwer auf ihre Seele gelegt. Das Gute daran: Wir lernen Charlotte plötzlich von einer anfälligen Seite kennen, sehen, wie eine souveräne und stets selbstbeherrschte Frau ihr Leben neu sortieren und sich mit dem Verlust einer großen Liebe arrangieren muss. Was sonst ja nur für ihre Probanden galt, für die Familien und Freunde jener Opfer, deren gewaltsamen Tod sie aufzuklären hat. Keine schlechte Konstellation für die Fortführung der Lindholm-„Tatorte“. Paart sich doch nun ihr kriminalistischer Instinkt mit einem originären Gefühl der Betroffenheit. Wehe den Missetätern. Nun ist Charlotte endgültig mit allen Wassern gewaschen.

Was das heißt, zeigt sich in ihrem heutigen Fall, in den sie sich mit verzweifeltem Eifer stürzt. Eine junge Frau wird im Stadeschen Land vermisst, und es gibt Indizien genug, die darauf hindeuten, dass sie ermordet wurde: Ein verlassener VW-Bus mit Blutspuren, ein verschwundenes Jagdgewehr und die Aussage von Benno Rohde (Werner Wölbern), der gehört haben will, dass der Ehemann der Ermordeten (Peter Kurth), seine Frau umbringen wolle, falls sie ihn verlassen würde. Und das am Abend vor der Bluttat, wenn auch im Vollsuff.

Für Revier-Sheriff Dunker (Tilo Nest) liegt die Sache auf der Hand – Mord aus Eifersucht. Doch Charlotte geht längst nicht mit ihm d'accord. Denn als endlich die mysteriös präparierte Leiche der Frau in einem Weiher gefunden wird, da spürt sie, dass etwas übersehen wurde bei den Ermittlungen. Schon folgt ein weiterer Mord. Und Charlotte gerät in Erklärungszwang bei ihrem Chef (Dieter Okras), der ihr nach ihrem Schicksalsschlag noch keine objektive Ermittlung zutraut. Am liebsten würde er sie vom Fall abziehen. Was er auch tut – als eine dritte Leiche auftaucht. Hat sich Charlotte wirklich so verrannt? Konnte sie in ihrer Gemütslage den Wahnsinn nicht verhindern?

Regisseur Thomas Jauch tut gut daran, nicht den Seelenklempner herauszukehren, um uns das Innere seiner Heldin zu verklickern. Klasse, wie er die Lindholm weiter als taffe Kriminalistin markiert und nur in kleinen Episoden und Gesten ihren desolaten Zustand durchschimmern lässt. Das macht sie und die ganze Geschichte (Buch: Fabian Thaesler) glaubhaft. Genau wie für Charlotte, bleibt auch uns Zuschauern keine Zeit für Psychosen, und wir können uns auf den Fall fixieren. Dass dieser „Tatort“ dennoch etwas phlegmatisch daherkommt, liegt an der Vielzahl der Figuren, deren Motive Jauch erst ausleuchten muss, um sie zueinander in Beziehung zu setzen. Das bremst die Handlung, stiftet Verwirrung und konterkariert fast die gelungene Exposition. So bleibt trotz prima Ensembleleistung am Ende ein fader Nachgeschmack. Denn all der Budenzauber wirkt nur konstruiert, um unserer Heldin einen Neustart zu ermöglichen. Als wenn sie das nötig hätte.

Vorsicht, das Modell Lindholm mag es kühl und clever, nicht warm und sentimental. Die erfolgreiche TV-Figur verträgt womöglich keine Experimente. Also: Never change a winning Star!

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